Hans Molzberger und Rubin Samelson: Rubins Colors

Die Ausstellung „Hans Molzberger und Rubin Samuelson: Rubins Colors“ ist derzeit an der Houston Baptist University in Houston in der Galerie 220 des akademischen Zentrums der Universität zu sehen. Die Exponate werden bis April diesen Jahres dort ausgestellt, weitere Ausstellungen für 2013 in der Zeitkunstgalerie Halle, im Schloß Colditz, sowie Tarrant County College, Dallas.

Diese Ausstellung ist Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Künstler Molzberger, der während des akademischen Jahres Bildhauerei und Keramik an der Houston Baptist University unterrichtet,  und Samuelson, Konzentrationslager-Überlebender des Zweiten Weltkriegs. Als junger Mann wurde Samuelson ins Konzentrationslager Buchenwald in Deutschland verschleppt, zuvor waren er und sein Bruder Zwangsarbeiter  in verschiedenen polnischen Fabriken für Glasherstellung und Metallverarbeitung. Später, nach der Befreinung und Auswanderung in die USA, nutzte er seine Kenntnisse in Glasbearbeitung, um seine Kunstwerke zu schaffen. In dieser Installation, zusammen mit Molzberger, produzierte er einhundert Schmetterlinge aus farbigem Glas. Teile der Ausstellung sind ein Videointerview von 2012 sowie weitere Video- und Audioinstallationen von Molzberger.

Der Schmetterling als Symbol hat eine besondere Bedeutung für Holocaust-Opfer. In den Kinderbaracken des Maidanek-Lagers in Polen wurden Hunderte von Schmetterlingsbilder gefunden, die in die Wände mit Hilfe von Steinen und Fingernägel reingekratzt wurden. Den Kindern war bewusst, dass sie sterben würden, sie stellten sich vor, sie würden sich nach dem Tod in Schmetterlinge verwandeln. Auch im Lager Teresienstadt in Tschechien, 1942-1944 haben Kinder Zeichnungen auch von Schmetterlingen gefertigt und Gedichte geschrieben über das Leiden, das sie im Lager erlebten. Der Schmetterling wurde zu einem aussagekräftigen Symbol der Seele, die zu einer besseren Welt emporsteigt.

Die Ausstellung „Hans Molzberger und Rubin Samuelson: Rubins Colors“ erlangt eine neue und besondere Bedeutung, da Rubin Samuelson am 15. Januar 2013 in Houston, Texas verstarb.

Hans Molzberger und Keramikgestaltung

Keramik hatte immer einen besonders wichtigen Platz in der Kunst von Hans Molzberger gehabt. Als Material und Prozess hat gebrannter Ton in den Molzbergers Mixed-Media Plastiken und als Basis für seine Siebdruckbilder eine zentrale Rolle gespielt. Ein Künstler mit feiner Wahrnehmung und dem Gefühl fürs Gesellschaftliche,  ein Autodidakt, der seine eigene Lebenserfahrungen als Thema in Bezug auf modernes Leben, Geschichte und die menschliche Verfassung bewertet.

Molzberger wurde in 1953 in Höhr-Grenzhausen, Deutschland, geboren, und lebt derzeitig in Hilmsen – einem kleinen Dorf unweit von der Stadt Salzwedel im Land Sachsen-Anhalt. Neben den Sommern in seinen Ateliers in Hilmsen, verbringt Molzberger das akademische Jahr in der USA, wo er Keramik und Bildhauerei an der Houston Baptist University in Houston, Texas, unterrichtet.

Ein Großteil von Molzbergers Kunst besitzt einen zyklischen Charakter, da er einen besonderen Talent für die Betrachtung seiner Objekte aus der vergangenen Perspektive, sowie für das Installieren deren auf einer neuen Art und Weise hat. Installationen, die in Deutschland angefangen wurden, inspirierten diejenigen, die er in Texas erschaffen hat. Sehr frühe Arbeiten, wie „Mumie“ (1990) schildert eine in sich zusammen fallende keramische Figur, auf einem gigantischen Stuhl hockend, und stellt seine visuelle Reaktion auf den Sturz des Kommunismus dar. „Der letzte Abendmahl“ (1998) ist eine Installation von weißen keramischen Figuren, die um den Esstisch sitzen und dabei schwarze Schimasken tragen, und es geht dabei um den Terrorismus. Die drei nackten weiblichen Figuren, die sich auf dem Boden an einander kauen, bilden einen wichtigen Einschluss in diese Installation über nazistische Vernichtungslager in seiner Ausstellung 2010 „Never let it rest: Ein Kunstprojekt von Hans Molzberger“, im Holocaust Museum, Houston.

Molzberger hat auch die Technik von Fotosiebdruck auf Keramik eingesetzt. Unter seinen auf die Wand angebrachten Keramikfliesen sind auch Siebdruckportraits, und weil diese Bilder auf die verräucherten ockerfarbenen eingebrannten Raku-Oberflächen transponiert wurden, geben die Risse und Dellen dem Druck einen historischen Hauch. Es gibt eine natürliche Verzerrung, die auf der Oberfläche dieser Portraits sich ereignet, die der Arbeit auch eine gespenstische Präsenz verleiht. Seine auf die Keramikobjekte aufgetragene Drucke sind auch dreidimensional gefertigt worden. Für seine jüngste Installation, „Hans Molzberger und Rubin Samuelson: Rubins Colors“ kreierte Molzberger große Keramikkugel, die er in Fragmente zerbrochen hatte, und dann auf die gebrochenen Scherben Siebdrucke von Schmetterlingen druckte, ein Bezug auf die Schmetterlingsbilder der Kinder des Konzentrationslagers Teresienstadt.

Im Jahr 2010 präsentierte Molzberger seine erste Ausstellung in der Galerie der Houston Baptist University. Die Ausstellung wurde „Diary“ („Tagebuch“) genannt und präsentierte eine Auswahl der Mixed Media-Arbeiten aus seinem kürzlich erschaffenen Bestand, dazu eine kontinuierlich laufende Projektion, als ein visuelles Tagebuch seiner Kunst in Deutschland und Texas. In der Galeriemitte hat er die Arbeit, die er vorher schon in 1997 in der Mönchskirche Salzwedel, einem franziskanischen Kloster aus der 14. Jahrhundert, ausstellte, aufs Neue installiert. Diese Arbeit hatte er „Auf Wiedersehen Achim“ genannt, als ein Abschiedstribut an seinen Freund Achim, der im selben Jahr wie Molzberger geboren wurde und 1997 an Krebs verstarb. Diese Arbeit besteht aus zwei Kinder-Dreiräder, die verlassen da stehen, ihre platte Schläuche in Keramikfliesen steckengeblieben, die eine holprige Strasse mit Spurrillen repräsentieren sollte. Molzberger hatte Blattgold zu den Sitzen und Lenkräder von den kleinen Dreiräder hinzu gefügt, - ein Gestus, welcher symbolisch die Vergänglichkeit der Kindheit und die Unschuldverlust anerkennen sollte.

Molzbergers Fähigkeit, bei der Gestaltung der Menschen und Objekte, in die Keramik Metallstrukturen, Stahl, Siebdrücke und gefundene Objekte einzuarbeiten, gibt seiner Kunst einen Sinn von erdgebundener Realität. Mitfühlender Humanismus prägt Molzbergers keramische Figuration.

Autor: Jim Edwards | Kurator der Galerie für zeitgenössische Kunst an der Houston Baptist University.

Rubin Samelson

Rubin Samelson & Hans Molzberger

Hans Molzberger & Ronny Kriz