Geschichte in Colditz

In Colditz wurde Geschichte geschrieben, die dem Großteil der Colditzer  Bevölkerung nicht bekannt ist. 1944 wurde in Colditz ein HASAG-Lager errichtet.

1863 wurde die Lampenfabrik Haeckel & Schneider in Paunsdorf bei Leipzig gegründet. Zunächst als Manufakturkonzipiert, wuchs das Unternehmen bis 1880 zu einem mittleren Industriebetrieb heran. Mit der beginnenden Aufrüstung nach der Machtergreifung 1933 konnte die HASAG Aufträge für Rüstungsgüter bekommen. Die HASAG spezialisierte sich auf die Produktion von Rüstungsgütern (Faustpatrone, Panzerfaust und Fliegerfaust) und wurde in dieser Sparte zu einem der größten Konzerne Deutschlands.

Das Unternehmen lieferte ab 1933 Munition an die Reichswehr (ab 1935: Wehrmacht) und wurde 1934 offiziell als Rüstungsbetrieb eingestuft. Wilhelm Renner, Vater von Hannelore Kohl, arbeitete als Betriebsdirektor und Prokurist in der HASAG von 1939 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde es schwer, Arbeitskräfte zu beschaffen. Trotz Dienstverpflichtung der Frauen wurden auch ausländische Arbeitskräfte angeworben und bald durch Zwangsarbeiter ersetzt. Der Konzern bevorzugte den Einsatz und die Ausbeutung von Zwangsarbeitern aus mehreren Konzentrationslagern für die Produktion in etlichen Betrieben und unterhielt von der SS verwaltete eigene Zwangsarbeiterlager mit Häftlingen.

1944 erhielt die HASAG durch den Reichsminister für Bewaffnung und Munition Albert Speer die SondervollmachtHochlauf Panzerfaust. Damit war der Konzern alleiniger Hersteller dieser Waffe in Deutschland und konnte seine Werke ausbauen. 1945 wurden Tausende Häftlinge aus den HASAG-Werken in Todesmärschen abtransportiert.

Nach Colditz wurden Häftlinge aus dem Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Einer von ihnen war Rubin Samelson. Er wuchs in Sosnowiec mit seiner Familie auf. Seine Mutter und jüngere Schwester wurden deportiert. Es ist nicht bekannt, wann und wo sie ermordet worden. sein Vater wurde ebenfalls in ein Lager gebracht. Samelson und sein Bruder William worden in ein Ghetto nahe Wiesbaden verschleppt. Sie arbeiteten sehr hart in 12-Stunden Schichten und ernährten sich fast ausschließlich von „Ersatz Kaffee“.  Von hier wurden die beiden Brüder in die Waffenmanufaktur Colditz gebracht, wo sie schließlich im April 19945 gerettet wurden. Er begann die Arbeit mit dem Werkstoff Glas. Er war Meister der Glasbläserei und Buntglas Designer. An der Universität von Houston (USA) arbeitete er mit dem deutschen autodidaktischen Künstler Molzberger zusammen. Daraus entstand eine Ausstellung zum Thema „Judentum im Nationalsozialismus“, die nun auch in Colditz der Öffentlichkeit zugängig gemacht wird. Bis zu seinem Tod im Januar 2013, lebte Rubin Samelson in Amerika Houston.